Vom Fischerdorf zur Stadt (1100 bis 1800)
Jahrhundertelang war Blankenberge eine kleine Gemeinschaft von Fischern, die ihre Boote einfach auf den Strand zogen.
- Zwischen zwei Deichen (um 1100): die erste Siedlung lag zwischen dem Oostdijk und dem Westdijk, den heutigen Straßen Hoogstraat und Weststraat.
- Stadtrechte (1270): 1270 löste sich Blankenberge von der Pfarrei Uitkerke und erhielt die Stadtrechte von Gräfin Margarete von Konstantinopel.
- Eine stattliche Flotte: im 13. Jahrhundert zählte die Fischereiflotte schon mehr als 60 Boote, und ab 1418 wurde das Meer jedes Jahr von einem Priester gesegnet.
- Der Leuchtturm: schon 1337 stand östlich des Dorfes ein Leuchtturm; 1526 folgte ein neuer Steinturm nach dem Vorbild von Ostende und Nieuwpoort.
- Sint-Antonius Abtkerk (1335 bis 1358): nach einem schweren Sturm 1334 und 1335 wurde eine neue Kirche gebaut, die heutige Sint-Antonius Abtkerk, die 1405 von den Engländern in Brand gesteckt wurde.
- Fischer am Strand: die Fischer fuhren mit flachen Booten, die am Strand anlandeten; einen echten Hafen gab es erst 1871, mit einer Hafenrinne und einer hölzernen Mole.
- Altes Rathaus (um 1680): das Oud Stadhuis im flämischen Renaissancestil ist das älteste erhaltene Bürgergebäude der Stadt.
- Häuschen von Majutte (1775): das Häuschen von Majutte in der Breydelstraat ist eines der zwei erhaltenen Fischerhäuschen und zeigt, wie eine Fischerfamilie im 18. Jahrhundert lebte.
Der Aufstieg des Seebades (1723 bis 1914)
Ab dem 18. Jahrhundert entdeckten zuerst die Brügger und später wohlhabende Badegäste aus ganz Europa den Strand von Blankenberge.
- Tagesgäste aus Brügge (1723): die Landstraße nach Brügge von 1723 brachte die ersten Tagesgäste ans Meer; von Badetourismus war noch keine Rede.
- Erste Badekarren (1838): unter englischem Einfluss erschienen 1838 die ersten Badekarren am Strand, kurz darauf folgten ein hölzerner Deich und die ersten Hotels.
- Casino Kursaal (1859): 1859 wurde das erste Casino Kursaal gebaut, der Beginn der Vergnügungsarchitektur auf dem Deich.
- Die Eisenbahn (1863): am 16. August 1863 wurde die Bahnlinie zwischen Brügge und Heist mit einem Halt in Blankenberge eröffnet, der große Durchbruch.
- Die Dampfstraßenbahn (1886): 1886 fuhr die Dampfstraßenbahn von Ostende bis Blankenberge, die Vorläuferin der heutigen Kusttram; 1908 folgte die Verlängerung nach Heist.
- Monaco von Belgien: in der Belle Époque war der Deich mit Luxushotels und Villen bebaut, und sogar Erzherzog Franz Ferdinand kam regelmäßig zu Besuch.
- Villen von 1894: drei restaurierte Villen von 1894 bilden heute das Belle Epoque Centrum, ein Museum über diese Blütezeit.
- Der Paravang (1908): am Hafen steht der Paravang, ein zierlicher Windschutz aus der Belle Époque für flanierende Badegäste.
Die Pier von Blankenberge
Die Pier ist das bekannteste Bauwerk von Blankenberge und hat eine bewegte Geschichte.
- Die erste Pier (1894): am 12. August 1894 wurde eine gusseiserne Pier im Jugendstil von 350 Metern eröffnet, die erste ihrer Art auf dem europäischen Festland.
- In Brand gesteckt (1914): am 15. Oktober 1914 steckten die deutschen Besatzer die Pier in Brand.
- Die Betonpier (1933): 1933 entstand eine neue Pier aus Beton nach einem Entwurf von Jules Soete.
- Gerettet (1944): im Zweiten Weltkrieg blieb die Pier erhalten, weil der deutsche Feldwebel Keseberg den Befehl zur Sprengung missachtete.
- Erneuert (2003): nach jahrelanger Renovierung wurde die Pier von Blankenberge im Sommer 2003 wiedereröffnet.

Zwei Weltkriege
Durch die Lage zwischen den Häfen von Zeebrugge und Ostende traf es Blankenberge in beiden Weltkriegen hart.
- Erster Weltkrieg: die Deutschen bauten Verteidigungsbatterien auf dem Gebiet von Blankenberge und zerstörten die gusseiserne Pier.
- Zwischenkriegszeit: die Touristen kehrten schnell zurück, und zwischen 1932 und 1934 entstand an der Stelle des alten Casinos das heutige Casino im Art-déco-Stil.
- Die Fischerei verschwindet: 1925 zählte die Fischereiflotte noch 51 Boote, 1939 nur noch 19.
- Atlantikwall: im Zweiten Weltkrieg legten die Deutschen einen Teil des Atlantikwalls an, wofür ein Teil der Küstenbebauung abgerissen wurde; auch alliierte Bombenangriffe trafen den Deich und den Grote Markt.
- Befreiung (1944): 1944 zerstörten die Deutschen den Hafen, und am 9. September 1944 wurde Blankenberge von den kanadischen Manitoba Dragoons befreit, woran jedes Jahr auf dem Manitobaplein erinnert wird.

Wiederaufbau, Yachthafen und Massentourismus
Nach 1945 bekam Blankenberge ein neues Gesicht, mit einem Yachthafen statt eines Fischereihafens und Apartments statt Villen.
- Neuer Leuchtturm (1950): 1950 wurde der heutige Leuchtturm von Blankenberge eröffnet, und auch die Molen wurden wiederhergestellt.
- Yachthafen (1955): am 9. Juli 1955 wurde der Yachthafen eingeweiht; nach Erweiterungen 1980 und 2004 ist der Yachthafen einer der größten an der Küste.
- Apartments auf dem Deich: beim Wiederaufbau ging Solidität vor Schönheit, und große Hotels wie das Hôtel des Bains et des Familles wichen Mitte der fünfziger Jahre Apartmenthäusern.
- Massentourismus: in den sechziger und siebziger Jahren wurde Blankenberge zu einem beliebten Badeort für Familien aus ganz Belgien, mit Campingplätzen und Ferienzentren.
- Das ganze Jahr über: seit den neunziger Jahren machen Attraktionen wie Sea Life, autofreie Einkaufsstraßen und Kunst wie die Skulptur Saltimbanque von der Kunsttriennale Beaufort 2012 die Stadt zu jeder Jahreszeit attraktiv.


